30 Jahre lang blieb sie loyal

Leah Remini: Ausschnitt des Artikels in der Printversion des Tages-Anzeigers.
Leah Remini: Ausschnitt des Artikels in der Printversion des Tages-Anzeigers.

 

Die Schauspielerin Leah Remini kämpft gegen Scientology.


Eine leise Frau ist Leah Remini nie gewesen. Die amerikanische Sitcom «The King of Queens» machte die Schauspielerin vor zwanzig Jahren bekannt als aufbrausende und etwas unheimliche Carrie Heffernan, die nur glücklich ist, wenn es anderen schlecht geht.

Laut ist Remini auch heute noch. Ihre bedrohliche Stimme aber hat sie anderen geliehen. In ihrer achtteiligen Dokumentation «Scientology and the Aftermath», die der amerikanische Sender A&E ab dieser Woche zeigt, berichten ehemalige Mitglieder teilweise unter Tränen, wie Scientology sie ruinierte – psychisch, körperlich und finanziell.

Die Dokuserie wird mit Spannung erwartet und von Scientologen gefürchtet. Denn sie wird von einem ehemaligen hochstehenden Mitglied moderiert: Leah Remini. Anwälte der Sekte üben offenbar seit Wochen massiven Druck auf Sender und Produzenten aus, um die Ausstrahlung zu verhindern. Sie beschimpfen Remini als «verwöhnte Diva» und lausige Schauspielerin, die ihren Zenit überschritten habe. Sie versuche bloss, längst wiederlegte Mythen wie Missbrauch, Unterdrückung und Betrug zu rezyklieren.

Die Beschimpfte lässt sich nicht einschüchtern. Sie stehe auf der richtigen Seite, sagt die 46-Jährige. Lange stand sie auf der anderen. Remini war eine engagierte Scientologin, sie sagt es selbst. Jetzt kämpft sie erbittert gegen die «Kirche», die für sie eine Art Familie geworden war. Im Alter von acht folgte sie ihrer Mutter in die Organisation, zog deswegen von Brooklyn an der Ostküste nach Los Angeles. Und blieb der Organisation 30 Jahre treu.

Lange glaubte sie an das gute Leben derer, die sich nach den Grundsätzen von Scientology richten. Spielraum für Interpretationen gab es nicht. Den Bezug zur Realität, den sie mit der Zeit bei Scientology verloren habe, stellte Tom Cruise, der Hollywoodschauspieler, unfreiwillig wieder her. Remini beschreibt die Nummer zwei der Organisation als einen charismatischen Menschen, dem nie jemand etwas habe abschlagen können. Nach sechs Jahren Ehe liess sich die Schauspielerin Katie Holmes von ihm scheiden. Die Trennung hatte sie lange und heimlich vorbereitet, damit Cruise und die Organisation überrascht. Grund war das gemeinsame Kind, das nicht bei Scientology aufwachsen sollte.

Leah Remini begann zu zweifeln. In diesem Moment sei ihr klar geworden, sagte sie später, dass auch sie gehen musste. Auch sie habe ihrer 12 Jahre alten Tochter nicht zumuten wollen, sich zwischen ihrer Familie und Scientology entscheiden zu müssen. Mann und Tochter folgten ihr.

Leah Remini rechnete mit der Sekte ab in ihrem Enthüllungsbuch «Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte». Sie sei in einer Lüge aufgewachsen und habe sie durchschaut, begründete Remini ihren Ausstieg.

Und wandte sich dem Katholizismus zu.

Erschienen im Tages-Anzeiger vom 5. Dezember 2016.

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