Sie tötete und rettete

 

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 Die dänische Kurdin Joanna Palani sitzt im Gefängnis.


Joanna Palani ist schön, gescheit und gefürchtet. Und das mit erst 23 Jahren. Nicht viele können das von sich behaupten. Und die meisten auch nicht wollen. Denn auf den Kopf der jungen Frau hat die Terrormiliz IS eine Million US-Dollar ausgesetzt, wie britische Zeitungen berichten. Doch nicht nur das: In Kopenhagen wartet die Frau im Gefängnis auf ihren Gerichtstermin, nachdem die dänischen Behörden ihr bereits den Pass entzogen haben. Was ist passiert?

Die Tochter iranischer Kurden hat einen eigenwilligen Weg gewählt, um sich für Frauenrechte und die Demokratie einzusetzen. Im November 2014 brach sie ihr Studium der Politikwissenschaften ab, verliess ihre Heimat Dänemark und reiste nach Syrien und dann in den Irak. Dort schloss sie sich den kurdischen Kriegern an, zuerst den YPG-Kämpfern und später den Peshmerga. Mit ihnen wollte sie gegen die Islamisten des Islamischen Staates und gegen Assad kämpfen. Sie habe das Ganze nicht wirklich ernst genommen, als sie dort ankam, sagte sie letzten Mai dem Magazin «Vice». Doch gleich in der ersten Nacht erfuhr sie, was Krieg bedeutet. An der Front sei ein schwedischer Kämpfer von einem Heckenschützen erschossen worden. Er habe sich durch den Rauch seiner Zigarette selbst verraten. Trotzdem sei sie, Joanna Palani, geblieben und habe weitergekämpft: Sie habe entdeckt, wie zielsicher sie mit Waffen habe umgehen können und wie einfach IS-Kämpfer zu töten gewesen seien.

Joanna Palani hat getötet, sich auf Fotos lächelnd vor und neben kurdischen Kämpfern gezeigt, in Siegerpose. Dabei ist sie selbst während des Golfkriegs im Flüchtlingscamp in Ramadi geboren, von dem ihre Eltern nach Dänemark flüchteten. Als ihre Tochter drei Jahre alt war, beantragten sie Asyl. Palani sagt von sich, sie sei Kurdin, denke und fühle wie eine Europäerin. Die Kriegerin, die getötet hatte, rettete auch Mädchen: Minderjährige, die der IS als Sexsklavinnen gehalten hatte. Palani half mit, die Mädchen zu befreien. Das aber kann sie nicht mehr tun, zumindest im Moment nicht.

Nach einem Jahr im Krieg, den sie heil überstanden hatte, wollte sie sich von den Anstrengungen erholen und Ferien in ihrer Heimat machen. Wieder zurück in Dänemark, verhängten die Behörden ein Ausreiseverbot für zwölf Monate. Das war im Juni 2015.

Und jetzt sitzt Palani im Gefängnis. Sie hatte zugegeben, trotz Reisesperre nach Katar gereist zu sein. Warum, weiss man nicht. Wird sie verurteilt, muss sie mit zwei Jahren Gefängnis rechnen. Es gilt für sie dasselbe Gesetz, das die Dänen einführten, um IS-Sympathisanten von einer Reise in den Nahen Osten abzuhalten.

Auf eine wie Joanna Palani, die nicht für, sondern gegen den IS kämpfte, waren sie nicht vorbereitet.

Erschienen im Tages-Anzeiger vom 21. Dezember 2016.

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