Unfreiwillige Quotenfrauen

Wieder einmal lässt sich die Wirtschaft Zeit.


Keine Firma will sich vorschreiben lassen, ob sie Mann oder Frau einstellt. Es soll nur zählen, wer fähig ist, ins Unternehmen passt, die Erfahrung mitbringt. Das sind Argumente, welche die Wirtschaft gerne vorbringt. Regeln nähmen ihnen die Freiheit, so zu walten, wie sie es für nötig hielten. Das klingt ja plausibel. Denn die Unternehmen sollten selbst verantworten, wohin sie steuern und mit wem sie das tun wollen.

Natürlich haben auch die bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP keine Freude, wenn der Bundesrat börsenkotierten Unternehmen künftig eine Frauenquote vorschreiben will: mindestens 30 Prozent im Verwaltungsrat und 20 Prozent in der Geschäftsleitung. FDP-Ständerat Andrea Caroni etwa sagte diese Woche dem TA, so etwas sei unwürdig. Es könne nicht im Interesse der Frauen sein, ihnen das Etikett der Quotenfrau anzuhängen. Auch er hat recht.

Laut dem neuen Schilling-Report sitzen aktuell in den Verwaltungsräten 16 Prozent Frauen, in Geschäftsleitungen 6 Prozent. Wirtschaftsvertreter signalisieren, sie hätten das Problem erkannt. Der Frauenanteil ist noch immer so klein, dass sich die Frauen unter den vielen Männern selbst schon vorkommen wie Quotenfrauen.

Frauen müssen natürlich in die Teppichetage wollen. Sie müssen den Job aber auch bekommen können. Der Report lässt vermuten, was Zahlen zu Lohnunterschieden schon länger zeigen: Unternehmen sind noch nicht bereit, Frauen genauso wie Männer zu fördern. Schweizer Frauen verdienten im Juni 2016 noch immer ein Fünftel weniger. Wenn die Freiwilligkeit nicht hilft, muss man nachhelfen – zumindest so lange, bis Frauen in der Etage keine Quotenfrauen mehr sind. Wie das geht, zeigt Norwegen. Das Land führte vor zehn Jahren die Frauenquote ein, heute sitzen 47 Prozent Frauen im Verwaltungsrat. Fähige und erfahrene. Geht doch.